Wirtschaft

Euro mit postsowjetischem Rubel verglichen

Euromünzen

Thomas Mayer, ein Top-Ökonom, prangert die von der Europäischen Zentralbank (EZB) betriebene Rettungspolitik für den schwachen Euro an. Der frühere Chefvolkswirt Mayer, der inzwischen Berater der Deutschen Bank ist, sagte gegenüber der „Welt am Sonntag“, dass er befürchtet, dass Europa sich seit dem letzten Sommer in einer Schieflage befindet. Er meint, dass sich die Euro-Zone im Zeitlupentempo in Richtung der Rubelzone entwickeln würde. Mit der Rubelzone sind die Sowjetrepubliken zu Beginn der 1990er Jahre gemeint, nachdem die riesige Sowjetunion politisch zerschlagen war. Die nationalen Notenbanken konnten damals nahezu unbegrenzt Geld drucken, ähnlich wie das heute in der Euro-Zone der Fall ist.

Mayer sagte, dass die Länder immer mehr in die gemeinsame Kasse greifen würden. Er sieht nur noch eine Chance von ungefähr 40 Prozent, um dieses Szenario abwenden zu können. Mayer kritisiert vor allem das Versprechen des EZB-Präsidenten Mario Draghi aus dem vergangenen Jahr. In seinem Versprechen versicherte Mario Draghi im Jahre 2012, dass die Notenbank alles zur Rettung des Euro tun würde. Mayer sagt, dass die EZB im Krisenfall zu einem Ausputzer werde und für die Staaten der Euro-Zone einen Selbstbedienungsladen darstellen würde. Die EZB habe sich mit ihrer Zusage, alles zu tun, um den Euro zu retten, davon verabschiedet, allein für die Stabilität der Preise zu sorgen.

Nach Aussage von Thomas Mayer wird die EZB zu einem Teil der Wirtschaftsregierung und zu einer Staats-Zentralbank. In den Verträgen von Maastricht ist die Konzentration auf die Preisstabilität für die EZB vorgegeben. Nach Ansicht von Thomas Mayer verfolgt die EZB inzwischen allerdings schon vier Ziele. Sie verfolgt die Stabilität der Preise, die Stabilität der Banken, die Stabilität der staatlichen Finanzen sowie die Förderung der Wirtschaftspolitik überall in Europa. Der Ökonom Mayer ist der Meinung, dass aufgrund der Vorgehensweise der EZB kein Weg zurück zu den Verträgen von Maastricht mehr erkennbar sei.

Foto: Euromünzen (über dts Nachrichtenagentur)

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